
Anette Schwarz
· Associate ProfessorCornell University · German Studies
Active 1988–2024
About
Anette Schwarz is an Associate Professor in the Department of German Studies at Cornell University, located in 183 Goldwin Smith Hall. Her academic interests encompass Romanticism, Realism, twentieth-century prose, literary theory, psychoanalysis, philosophy of language, narrative theory, and medical humanities. She explores intersections of theories of affect, spatiality, architecture, and literature, contributing to a broad understanding of cultural and literary phenomena through these lenses. Her teaching includes courses such as 'Illness as Metaphor,' 'Introduction to German Culture and Thought,' and 'Kafka's Worlds: Castles, Trials, and Tribulations.' Her research focuses on themes related to Romanticism, Realism, twentieth-century literature, and the medical humanities, with a particular emphasis on psychoanalysis and the philosophy of language. Schwarz's work integrates diverse theoretical approaches to analyze literary texts and cultural issues, fostering interdisciplinary dialogue within her field.
Research topics
- Humanities
- Art
- Political Science
- Sociology
- Philosophy
- Psychology
Selected publications
Benjamins Kafka: Im Zwielicht der <i>Betrachtung</i>
The German Quarterly · 2024
1st authorCorresponding- Philosophy
- Art
Jeder Versuch einer Würdigung von Kafkas Werk anlässlich der hundertsten Wiederkehr seines Todestages kann nicht umhin, ebenso die unhintergehbare Autorität von Benjamins Kommentaren zu Kafka „anläßlich der zehnten Wiederkehr seines Todestages“ zu würdigen und sich ihrer in Hochachtung zu beugen (Benjamin 409). Wie kein anderer hat Benjamin schon früh auf eine den Schriften Kafkas ureigene Rätselhaftigkeit hingewiesen, die den Leser an die Grenze des Verstehens dränge und ihn dort, wie den Mann vom Lande in der Parabel Vor dem Gesetz, wartend sein Leben fristen lasse. Wie dieser den Türhüter um Eintritt bittet, so suchen wir Leser in immer erneuten Interpretationsversuchen des Rätsels Lösung und gelangen statt in eindeutige sprachliche Gefilde doch nur tiefer an die nebulöse, „wolkige Stelle“, die, so Benjamins Verortung, „das Innere“ von Kafkas Parabeln darstelle (420). Unklare Sichtverhältnisse zwingen Deutung und Auslegung zu Achtsamkeit, denn Kafka habe „alle erdenklichen Vorkehrungen gegen die Auslegung seiner Texte getroffen“, und Benjamin rät, man müsse „[m]it Umsicht, mit Behutsamkeit, mit Misstrauen […] in ihrem Innern sich vorwärtstasten“ (422). Jegliche Hoffnung auf Wegweisung oder Orientierungshilfe von Seiten Kafkas sei zudem vergeblich, da dieser selbst die „Grenze des Verstehens“ mit uns teilen wolle; denn „gern drängt er sie andern auf” (422). So werden wir zu Kafkas Weggefährten an dieser Grenze, an der „jeder Tag“ uns wie Kafka „vor unenträtselbare Verhaltungsweisen und undeutliche Verlautbarungen“ stellt (423). Aber wie tastet man sich vorwärts in einem solchen „Zwielicht“ der Bedeutungen und Anschauungen (Benjamin 414)? Wie Benjamin bemerkt, ist Umsicht empfohlen, und er folgt damit der einzigen, vielleicht unterschwellig dem Leser von Kafka selbst gegönnten Blickhilfe. Nicht ohne Zufall widmet Benjamin einen Großteil seiner Ausführungen zu Kafkas Todestag dessen erstem kleinem Sammlungsband Betrachtung. In seiner Korrespondenz mit dem Verlag bat Kafka ausdrücklich um einen Großdruck. Formuliert als Wunsch, die Texte als “Lichtblicke in eine unendliche Verwirrung“ überhaupt lesbar zu machen: „Man muß schon sehr nahe herantreten, um etwas zu sehn“ (zitiert nach Engel und Auerochs 113). Das mikroskopisch Erhaschte, Ausschnitthafte, Verschleierte der wolkigen „schwankenden Natur der Erfahrungen“ (Benjamin 428; vgl. Engel und Auerochs 113) versammelt sich in Kafkas Betrachtung als singuläre, augenblickliche, szenische Wahrnehmung einzelner Momentaufnahmen von Kafkas Grenzgängern: beobacht- und beschreibbar nur in ihren Gesten und Gebärden. Nur in diesen scheint Kafka die schwankende Bewegung seiner Protagonisten, die Benjamin ausschließlich als Kreaturen und Gestalten, nie als Helden benennt, beschreiben zu können. Jedoch – und das maßgeblich für Benjamin – sind diese Protagonisten die „Entronnenen“ (vgl. Benjamin 414). Und spezifischer sind sie die „dem Schoße der Familie“ Entronnenen (Benjamin 414), sind sie die Kinder, Narren, Gespenster und Bauernfänger, die sich unter Kafkas Blick und seiner Betrachtung dem „Bann der Familie“ (Benjamin 414) entziehen. Diesem Entzug, der Bewegung dieser Ausflucht schauen wir als Leser der Betrachtung zu. Diese den noch „unfertige(n) Geschöpfe(n)“ (Benjamin 414) thematisch gewidmeten Prosaminiaturen mikroskopischer Natur sind von aufmerksamen Beobachtern schon früh mit Robert Walsers Mikrogrammen und Denkbildern Benjaminscher Provenienz verglichen worden. Kafka sammelt die Gesten der „Entronnenen“ als Bewegungen des Absprungs, des Weglaufens, des Aufbruchs, des Übergangs und als Zeugnisse eines Wunsches: nämlich nicht des Zutritts, sondern des Austritts aus einem „Nebelstadium“ (Benjamin 414) und hin zur Konturierung einer „Umrissenheit“, in der man „sich zu seiner wahren Gestalt erhebt“ (Kafka, Sämtliche Erzählungen 12). Enstprechend weist das Gestische in Kafkas Betrachtung in eine bestimmte Richtung: das „gestische Verhalten“ (Benjamin 418) der Protagonisten, insbesondere das der Kinder, weist in ein Draußen: die Gestalten dieser Textsammlung sind alle unterwegs, im Entrinnen begriffen, meist weg von den Eltern sind sie buchstäblich auf dem Sprung – von der Schaukel, durch Fenster, die Gasse hinunter, zitternd vor Aufregung fallen und fliegen sie einem Ziel, einem „Entschluß“ entgegen: sie „treten aus der Famile aus“ und „erheben sich“ aus „einem elenden Zustand“ (vgl. Kafka, Sämtliche Erzählungen 12). Diese Erhebung zu einem Selbst verläuft als Geste über den Körper: Kafkas Kinder strecken und recken sich, machen sich lang und laufen einen aufrechten Gang. Diese Geste des Entrinnens im Lauf ist für Benjamin Gut der „sonderbarsten Gestalten Kafkas“; nur für sie gäbe „es vielleicht Hoffnung“ (Benjamin 414). Zu ihnen zählt ebenso Rotpeter aus dem Bericht für eine Akademie, den Benjamin sicherlich nicht ohne Grund im Kontext der Betrachtung und des Romans Amerika als die Figur hervorhebt, die nie nach „Freiheit“, sondern immer nur nach einem „Ausweg“ sucht (Benjamin 423). Und dies immer wieder, was allein die ungemein auffällige Wiederholung dieses Wortes in Kafkas Text bezeugt. Wie die „Entronnenen“ und die Schauspieler im Naturtheater Oklahomas sucht auch Rotpeter eine „Ausflucht“, „ein Unterkommen“ (Benjamin 423) und erringt „vielleicht Hoffnung“ (Benjamin 414). Wie die Kinder muss auch er sich im Käfig strecken, um „aus einem elenden Zustand sich zu erheben“ (Kafka, Sämtliche Erzählungen 12). Die gebeugte Duckhaltung des „Buckligen“ entspricht für Benjamin dem „Urbilde der Entstellung“ und Kafkas Figuren können jederzeit in diese Position zurückfallen (Benjamin 431). Sie existieren, oder besser „steigen“ und „fallen“ an der Schwelle zwischen Entstellung und Hoffnung (vgl. Benjamin 415); sie verbleiben in einem andauernden Schwanken, das Kafka, wie Benjamin uns in Erinnerung ruft, mit einer „Seekrankheit auf festem Lande“ vergleicht (Benjamin 428) und deshalb die Kinder der Betrachtung auf die Schaukel setzt. Und wie die Kinder im Schutze der Dunkelheit in die Landschaft entfliehen, erschleicht sich auch Rotpeter durch List und Tricks „diesen besonderen Ausweg, diesen Menschenausweg“: „Es gibt eine ausgezeichnete deutsche Redensart: sich in die Büsche schlagen; das habe ich getan, ich habe mich in die Büsche geschlagen. Ich hatte keinen anderen Weg, immer vorausgesetzt, daß nicht die Freiheit zu wählen war“ (Kafka, Sämtliche Erzählungen 154). Kafka und die Kinder seiner Texte schlagen sich ebenfalls in die Büsche und hoffen, ihre besondere, nämlich „nimmermüde […] Sippe, die auf eigentümliche Weise mit der Kürze des Lebens rechnet“, auf ihren nächtlichen Ausflügen, schreibend oder laufend, anzutreffen und dort bleiben zu dürfen (Benjamin 434). Kafka hat die Textsammlung Betrachtung als „meine kleinen Winkelzüge“ bezeichnet (zitiert nach Engel und Auerochs 114) und vielleicht versucht, sich in der Art eines trickreichen, literarischen Advokaten dem „Bann“ seiner „Familie“ zu entziehen und sich einer anderen anzuschließen. Kafka betrachtet sich und seine Gefährten auf diesem Weg/Ausweg und hat uns unzählige schöne/verstörende Betrachtungen dieser Reise hinterlassen. „Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden“ (Aphorismen 5).
De Gruyter eBooks · 2023
1st authorCorresponding- Political Science
- Political Science
Dafür nimmt Benjamin es in Kauf, dass Hofmannsthal die Sendung wahrscheinlich ignorieren und mit keiner Erwähnung würdigen würde.Dennoch gebührt Hofmannsthal als wichtiger Gönner und Unterstützer ein "diplomatischer" Umgang (Palmier 2009, 98-99), und somit räumt Benjamin ein, dass die Lektüre des Grünen Heinrich Ablehnung erzeugen könnte, kündigt jedoch zugleich eine Korrektur dieses Eindrucks in Form einer zukünftigen Fortsetzung dieses nur als "Prolegomena" (Benjamin 1966, Bd. 1, 449) bezeichneten Aufsatzes an.Eine "Konstruktion dieses Autors aus seinen beiden scheinbar so disparaten Hälften" soll einst
An Kindes statt. Familiale Bildkonstruktion und museale Raume in Adalbert Stifters Hagestolz
Brill | Fink eBooks · 2020
1st authorCorresponding- Sociology
- Humanities
- Sociology
2019-12-17
bookOb als Motiv, Handlungsschauplatz oder Gegenstand der Kritik – in der Literatur wird das Museum zur Reflexionsfigur der Repräsentierbarkeit und Konservierbarkeit von Welt und Wissen. Museales Erzählen stellt die Frage nach dem Verhältnis von Zeichen und Dingen, Erinnerung und materieller Kultur. Die Beiträge widmen sich musealen Dingen, Räumen und Narrativen in literarischen Texten sowie Sammlungskontexten vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Unter Verschränkung museologischer, kulturhistorischer und literaturwissenschaftlicher Perspektiven geht es zum einen um institutionsgeschichtliche Aspekte verschiedener Museumstypen. Zum anderen wird nach museumsspezifischen Formen des Erzählens gefragt: Wie werden die Dinge zum Sprechen gebracht? Wie werden räumliche Ordnungen textuell konstituiert und beschrieben? Welche Rolle spielen narrative Praktiken des Sammelns, Inventarisierens, Kuratierens und Ausstellens?
2018-01-01 · 2 citations
articleNorthwestern University Press eBooks · 2018-08-04
book-chapterOpen access1st authorCorrespondingMLN · 2014-04-01
article1st authorCorrespondingNeither Here Nor There Anette Schwarz (bio) Die Verortung des eigenen Standpunktes ist eine heikle Aufgabe, wenn die Topografie eines Selbst sich permanent zwischen der Fremde und der vermeintlichen Vertrautheit eines ehemalig Heimeligen hin und her bewegen muss. Eine solche Reise zwischen Nie-Ankommen und Nie-Weggehen verändert die Richtung, den Blick auf das Woher und das ungewisse Wohin jedes Sagens. In dieser einerseits gewöhnungsbedürftigen, dann aber doch sich fast automatisch abspulenden Gewohnheit einer Existenz zwischen Fort und Da artikuliert sich ein Hier, das um Gehör bittet in dieser so spannungsreichen wie span-nenden Zeit-Raum-Konstellation. Das Sagen einer solchen Zeit-RaumKonstellation spricht oftmals weniger über ein Was, sondern spricht das Woher, das „von etwas her“1. Diese Stimme spricht von „bestimmten Orten, Daten, […] auch von bestimmten Texten und Redeweisen“. Und was diese Stimme anstimmt, ist dieser eine bestimmende Satz: „Bist gekommen von weit, bist gekommen hierher…“ (FD 44). Dieses „Hier“ ist ein „Zeitort“ (FD 6), an dem sich Wege und Begegnungen oftmals „flüchtig und prekär” kreuzen (FD 44) und sich zu einem Textort versammeln, dessen „Schriftzüge“ (ebd.) entziffert werden wollen. Dieses „Hier“ zu entziffern ist das Anliegen von Rainer Nägeles topobiographischen Schriften. Diese Schriften „erzählen” von nichts anderem als diesem “immer wieder Zurückkommen zu den gleichen [End Page 689] Orten“ (FD 6). Was sich an diesen Orten immer wieder neu, je nach Blickwinkel, entziffern lässt, sind nicht nur bestimmte Texte und Autoren, sondern ebenso die Textur der eigenen Vergangenheit. Die „Überlagerung solcher Begegnungen” (FD 7) zwischen Literatur und Kindheit ist vom Autor erwünscht und wird als „Gelegenheit“ (FD 5ff), als Chance für eine seltene Erfahrung begriffen und ergriffen. Es geht um nichts weniger als um die „Bereitschaft […] jenen kleinen Spielraum der Freiheit wahrzunehmen, die es dem Subjekt erlaubt, die Lage als Gelegenheit, etwas von der Wahrheit der Lage lesbar werden zu lassen“ (FD 6). Lesbar werden kann dann eventuell „dies oder jenes aus dem Leben des Schreibenden“ (FD 5) oder die Gelegenheit stellt sich als Möglichkeit ein, „dass ein Wahres sich ereignet, dass, wie man umgangssprachlich sagen kann: etwas sich herausstellt“ oder dass „in ihr lesbar wird, was der Fall ist.“ (FD 6) Rainer Nägele teilt sich diese Freiheit mit einer kleinen Gruppe von Wegbegleitern, auf die—und auf deren Rat vielleicht—er immer wieder zurückkommt. Wie er sind sie „Heimkehrfiguren“ (FD 49), die sich, ständig schreibend und existierend zwischen Fort und Da, Nähe und Ferne, Distanz und Dichte lesen, entziffern und begegnen oder „verpassen“ (FD 6). Die Namen sind bekannt: Hölderlin, Benjamin, Celan, Kafka und Brecht. Was Nägele den Texten dieser Autoren entnimmt, ist die Perspektive des “von etwas her”, das Herkommen „von etwas“, welches unserem „Hier“ als Bild—als „Vexierbild“2—unterliegt und es prägt (vgl. FD 44). Möge man es Vergangenheit, Kindheit oder Heim nennen: diese Autoren lassen Bilder aufscheinen, in denen Vergangenheit “einmalig als das jeweilig wahre Bild sich ereignet“ (Vexierbilder 38). Was diese Autoren als Chance offerieren, ist die Möglichkeit einer Lesbarkeit der Vergangenheit—mag sie auch als Zukunft oder verlorene Zeit gelesen sein.3 In diesem Sinne erschließt sich Nägele das Bild einer, seiner oder der Vergangenheit aus seiner wiederholten Lektüre Benjamins: „Jedes einzelne Bild wie auch die Sequenz der Bilder sind Produkt eines Schnittes, dessen Neigungswinkel bestimmt ist durch das je einmalige Verhältnis eines bestimmten Moments in der Gegenwart mit einem bestimmten Punkt in der Vergangenheit. Es gibt kein ewiges Bild der Vergangenheit, [End Page 690] sondern nur das, was so einmalig als das jeweilig wahre Bild sich ereignet“ (Vexierbilder 38). Und weiter: „Erst wo etwas als Vergangenes unzugänglich, unberührbar, unantastbar als Gegenwärtiges geworden ist, kann ein Bild davon sich ablösen und Schrift werden“ (Vexierbilder 39). Wie liest man eine solche Schrift? Es bedarf der dauernden Übung4 und es bedarf eines guten Lehrers. Beides impliziert ebenfalls ein „immer wieder Zurückkommen” auf Lernmomente und auf einschneidende Lernerfahrungen. Für beides steht in Nägeles Lese-und Schreibpraxis der Name Peter Szondi. Er ist Lehrer5 und Wegbegleiter, denn auch Szondi liest die „Sprachbilder“6 von Hölderlin, Benjamin, Celan...
REPLY TO TAYLOR CARMAN: HEIDEGGER'S ANTI‐NEO‐KANTIANISM
The Philosophical Forum · 2010-02-17 · 1 citations
articleOpen access1st authorCorrespondingSocial Subjects and Tragic Legacies: The Uncanny in Theodor Storm's<i>Der Schimmelreiter</i>
The Germanic Review Literature Culture Theory · 1998-01-01 · 2 citations
article1st authorCorresponding(1998). Social Subjects and Tragic Legacies: The Uncanny in Theodor Storm's Der Schimmelreiter. The Germanic Review: Literature, Culture, Theory: Vol. 73, Realism, pp. 251-266.
Melancholie: Figuren und Orte einer Stimmung
The German Quarterly · 1998-01-01 · 5 citations
articleSenior author
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